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Nach teilweise öffentlichen kontroversen Diskussionen über die Nordosttangente mit Erschließung des neuen Krankenhauses in Achern folgte in der gemeinsamen Sitzung der Gemeinderatsgremien von Achern und Sasbach eine ausgesprochen sachliche Diskussion. Oberbürgermeister
Klaus Muttach verdeutlichte, dass für die Stadt Achern die Erschließung des Krankenhauses durch Verlängerung der Infrastrukturstraße mit Über- oder
Unterquerung von Bundesstraße und Bahn absolute Priorität habe. Ob diese Erschließungsstraße dann bis zur Berliner Straße oder gar Sasbacher Straße weitergeführt werde, entscheide letztendlich die jeweilige Gemarkungsgemeinde im Rahmen der Planungshoheit.

Bürgermeister Bühler sah in dieser Erschließungsstraße die Möglichkeit für Sasbach, das Industriegebiet Sasbach West, das Wohngebiet Waldfeld und auch die Heimschule Lender verkehrstechnisch besser zu erschließen. Er sei überzeugt, dass dies auch der Mehrheitswille des Gemeinderates
von Sasbach sei. In der sehr sachlichen Diskussion wurde von verschiedenen Rednern angemahnt, den Flächenverbrauch möglichst zu minimieren. Eine Fortführung der Tangente über die Heimschule Lender hinaus bis zum Sandweg wurde nicht befürwortet. „Wir wollen die Interessen beider Kommunen bei der Trassenführung zusammenbringen
und ich sehe keinen Interessenswiderspruch“, so Oberbürgermeister Klaus Muttach. In den nächsten Wochen sollen die beiden Gemeinderatsgremien jeweils aus Sicht ihrer Kommunen die gewünschte Trassenführung entweder bis zum Krankenhaus oder gegebenenfalls auch darüber hinaus bis maximal zur Heimschule Lender beraten.

Ein weiteres Thema der gemeinsamen Sitzung war der geplante Neubau eines Krankenhauses im Brachfeld. Zunächst stellte sich der neue Verwaltungsdirektor am Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch Michael Goldt den Räten vor. Klinikgeschäftsführer Christian Keller erläuterte dann die 2018 vom Kreistag beschlossene Zukunftsplanung Agenda 2030 für das Ortenau Klinikum. Der medizinische Fortschritt mache ein vernetztes Angebot immer notwendiger, weil die Spezialisierung immer weiter voranschreite. Vom Gesetzgeber vorgegebene „Mindestmengen“ sowie weitere Qualitätsvorgaben sind zu beachten. Mit ursprünglich neun Krankenhausstandorten sei das Ortenau Klinikum nicht überlebensfähig, die Krankenhausversorgung würde künftig in kleinteiliger Struktur medizinisch kollabieren. Diese bundesweite Entwicklung mache auch vor dem Ortenaukreis nicht halt.

Die Agenda 2030 mit vier Klinik-Standorten sei ausweislich medizinisch die beste Lösung. Neben den vier größeren Krankenhäusern in Achern, Offenburg und Lahr bleibe man mit Wolfach aber auch in der Fläche präsent. Für Achern soll ein Krankenhaus-Neubau mit ca. 240 bis 270 Betten und Angeboten für Normalpflege, Intensivmedizin, Wöchnerinnen sowie „eingestreuter“ Geriatrie und Palliativversorgung entstehen. Durch die Zusammenfassung der ursprünglich in Achern und Offenburg geplanten Abteilung für Orthopädie in Achern sowie die neue Hauptabteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe habe sich die Zahl der Betten aktuell auf 270 erhöht.

Oberbürgermeister Klaus Muttach und Bürgermeister Gregor Bühler sprachen sich eindeutig für den Neubau des Krankenhauses aus, das für das Ortenau Klinikum wie auch für die medizinische Versorgung der Menschen eine positive Perspektive biete. In der Diskussion gab es Unverständnis für die destruktive Haltung mancher Agenda- Kritiker, die allgemeine medizinische Entwicklung würde leider ignoriert und das Scheitern einer zukunftsgerichteten medizinischen Krankenhausversorgung in Kauf genommen. Eine gute Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Krankenhausstandort wurde in der anschließenden Diskussion ebenso angemahnt wie eine Krankenhausküche am Standort. Die Notwendigkeit
bezahlbarer Wohnungen im Umfeld des Klinikums wie auch von Kindergartenplätze wurde gefordert; Geschäftsführer Keller bestätigte, dass dies Bestandteile der Planung sei. Allgemein wurden die mit einem Neubau eines Krankenhauses verbundenen Chancen positiv bewertet.

Oberbürgermeister Klaus Muttach führte auch aus, dass nur an diesem Standort die Stadt in der Lage war, eine ausreichend große Fläche bereitzustellen, welche die Stadt dem Ortenau Klinikum kostenlos überlassen wird. Bis zum Start des Baus Anfang 2025 gebe es noch viel zu tun, so Geschäftsführer Keller. „Eine bestmögliche medizinische Versorgung der Menschen ist es wert, sich für den Neubau des Krankenhauses in Achern mit aller Kraft einzusetzen.

Von dem Leistungsangebot werden Menschen weit über die Gemarkungsgrenzen von Achern und Sasbach hinaus profitieren“, so Oberbürgermeister Klaus Muttach und Bürgermeister Gregor Bühler.

Die Zukunft der Werkrealschule – eine Thema, dass allen am Herzen liegt.

Ein großes Thema für beide Rathauschefs ist eine enge Kooperation beider Kommunen als „starke Schulstandorte im nördlichen Ortenaukreis“. Alle Schularten sollen zumindest in einer der beiden Kommunen angeboten
werden.

Die Leiterin des staatlichen Schulamtes Gabriele Weinrich ging auf die Situation der Werkrealschule Oberachern/ Sasbach ein. Die Aufteilung der Werkrealschule auf die Standorte Sasbach für Klassen 5 bis 7 und Oberachern für die Klassen 8 und 9 zeige insbesondere auf dem Hintergrund der Beförderungsproblematik nach Oberachern ihre Schwachstellen. Gabriele Weinrich beschrieb das Einzugsgebiet der Werkrealschule, das eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfordere.

In einer sehr lebendigen Aussprache beteuerten sowohl Oberbürgermeister Klaus Muttach und Bürgermeister Gregor Bühler wie auch zahlreiche Stadt- und Gemeinderäte, dass die Schulform der Werkrealschule in jedem Fall auf der Gemarkung einer der beiden Kommunen fortgeführt werden muss. Dabei wolle man sich nicht von Prestigegedanken, sondern einzig und allein vom Wohl der Schüler leiten lassen. Beide Rathauschefs zeigten sich zuversichtlich, dass sich die Gemeinderäte auf einen Standort verständigen werden. Um Planungssicherheit zu schaffen, soll dies bis zu den Herbstferien erfolgen. Dabei blieb offen, ob eine etwaige Umsetzung der Entscheidung für einen Standort noch im laufenden Schuljahr oder zum nächsten Schuljahr erfolgen soll.